Sanierung Römerturm
Baugeschichte
Der Pfalzturm, die assoziierende Bezeichnung `Römerturm` steht für das hohe Alter und die Aura des Bauwerks, war ein wesentlicher Bestandteil des ehemaligen Herzoghofs der Wittelsbacher. Spätestens seit 976 war der nordwestliche Bereich der ehem. Karolingischen Pfalz von den bayerischen Herzögen genutzt, 1196 bezogen die Wittelsbacher die Pfalz. Um 1210/1220 erfolgte eine bauliche Um– und Neugestaltung, wobei der sog. Römerturm als Wohnturm ausgebaut wurde und hier der einzige mit Wohnvorrichtung überhaupt erhaltene mittelalterliche Turm in Regensburg ist.
Schadensbeschreibung
Das Mauerwerk des Römerturms war durch Umwelteinflüsse und zahlreiche Brandvorkommnisse tiefgreifend geschädigt und destabilisiert. Herabfallende Steinteile gefährdeten die Verkehrssicherheit. Bis zu 20 Zentimeter breite Risse waren Ursache für einen folgenschweren Feuchteeintrag in das Bauwerk. Brand und Hitze zerstörten die Mörtel im Mauerinneren und bliesen sie, ähnlich einem Karminsog, nach außen. Die im Verhältnis zu den schmalen Handquadern auffallend breiten Fugen schwächten die Gesamtstabilität zusätzlich. Zu den statischen Problemen waren komplexe Aufgaben an den verschiedenen Natursteinen zu lösen. Durch Feuchteeintrag ausgelöste hygrische Quellprozesse waren ursächlich für die blätterteigartigen Zerrüttungen an den Steinflanken der Mergelsteine. Speziell ausgebildete Fachkräfte und Planer stellten sich über mehrere Jahre der Herausforderung der komplexen Konservierung. Mit Hilfe von Kernbohrungen und Georadar wurde der Aufbau des Mauerwerks seitens der Tragwerkplaner untersucht.
Restaurierungskonzept
Das Restaurierungskonzept für die unterschiedlichen Natursteinarten wurde mit Hilfe von Musterflächen entwickelt und durch spezialisierte Fachlabore begleitet. Die Aufgabenstellung umfasste ein umfangreiches Programm von struktureller Festigung der Natursteinsubstanz über das Verfüllen und Sichern großformatiger Schalen bis hin zu mineralischen Mörtelergänzungen und der Fugenreparatur. Schadsalze wurden reduziert und das Ergebnis durch Laboranalysen überprüft. Aufgrund der Belastung durch die historisch belegten Brände im Bereich der Westfassade waren hier die tiefgreifendsten Schäden am Mauerwerk zu verzeichnen. Ganze Quader und abgeplatzte Steinteile hatten sich aus dem Mauerverband gelöst. Die dadurch entstandenen Fehlstellen schwächten das Mauerwerk. Gerissene Steine mit sich ablösenden Teilstücken waren im Zuge vergangener Sanierungsarbeiten nicht bearbeitet worden und drohten herabzufallen. Durch ein Schutzgerüst wurde zunächst die Verkehrssicherheit wieder hergestellt, bis die Planungsarbeiten abgeschlossen werden konnten und die Maßnahme nach Abstimmung aller Beteiligten begann. Die statische Anforderung, die Wasseraufnahme des Mauerwerks deutlich zu reduzieren, und der Wunsch der Denkmalpflege, den optischen Gesamteindruck möglichst unverändert zu erhalten, waren zu vereinbaren. Die Wiederherstellung der Verkehrssicherheit hatte oberste Priorität. Das zerstörte Mauerwerksgefüge war wieder herzustellen. Zudem wurde durch die Instandsetzung des Dachtragwerks ein nachhaltiger Schutz des Gebäudes sichergestellt. Durch eine abgestimmte und fundierte Restaurierungsmaßnahme war es möglich, das stadtbildprägende Gebäude für kommende Generationen zu erhalten.
